Die Kleinbahn Pasewalk - Klockow

siehe Informationsbroschüre der Stadt Pasewalk
Seit 1893 bestand zwischen Pasewalk und Klockow (16 Kilometer) eine Pferdebahn. Mit der stark auf überregionale Märkte orientierten Landwirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts machte sich der Ausbau der bestehenden Pferdebahnstrecke erforderlich um einen schnelleren Transport der Agrarprodukte zu den Verteilzentren zu ermöglichen. Darum wurde die Kleinbahn Pasewalk-Klockow (KKP, 750 mm Spurweite) auch von vorn herein als reine Güterbahn konzipiert.

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Schon am 7. Oktober 1908 konnte die Eröffnungsfahrt auf der Strecke absolviert werden. Für den Lokomotivbetrieb wurden zwei Nassdampf-Dreikuppler der Firma Orenstein & Koppel, Drewitz bei Potsdam, mit den Fabrik-Nummern 3009 und 3010 beschafft. Sie wurden in den Fahrbetrieb als KKB 1 und KKB 2 eingereiht. In der Pasewalker Oststadt befand sich, gleich neben dem Kleinbahnhof (heute Baustoffversorgung), ein kleiner Lokschuppen, in dem die Maschinen abgestellt werden konnten.

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Nach 1945 wurde die KKB auf Anordnung der Transportabteilung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) an die Prenzlauer Kleinbahnen angegliedert. Am 1. Februar 1948 wurde zum ersten Mal der Reiseverkehr auf der KKB aufgenommen. 1949 wurde diese Privatbahn durch die Deutsche Reichsbahn übernommen und bekam neue Aufgaben. Neben dem Transport von Gütern stand nun auch die Personenbeförderung an. Die beiden Nassdampflokomotiven, deren kleiner Rechteck-Lokschuppen ab 1949 betriebstechnisch zum Bw Pasewalk gehörte, bekamen bei der DR die Nummern 99 4612 und 99 4613. 1952/53 wurde die 99 4613 ein Jahr lang nach Rügen ausgeliehen. Wegen fahrtechnischer Mängel musste diese Lok jedoch schon im November 1959 abgestellt werden, da die Kesselfristen erreicht waren. Für diese Lokomotive kam Ersatz von der Prignitzer Kreiskleinbahn:. 99 4501. Sie war ab 1954 schon im Einsatz bei der Klienbahn Kreis Jerichow I und bei der Rügenschen Kleinbahn (RüKB) gewesen.


Die 99 4612 blieb bis zur Gesamtstillegung der im Volksmund ?Marie Klockow? genannten Strecke am 4 Oktober 1963 im Dienst.

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1961 war der Personenreiseverkehr auf der KKB eingestellt worden. Und es war absehbar, dass es über kurz oder lang zur Gesamtstillegung kommen würde.
Die Abschlussfahrt führte die 099 4501 am 4. Oktober 1963 durch:.

Um 9 Uhr setzte sich der mit Girlanden geschmückte Zug mit Lokführer Horst Engel und Heizer Walter Schulz vom Bahnhof Pasewalk-Ost aus in Bewegung. Viele Einwohner Pasewalks grüßten den Zug in der Feld- und Clara-Zetkin-Straße. Sie nahmen Abschied von einem ihnen täglich gewohnten Bild. In einer improvisierten Feierstunde in der Konsum-Gaststätte Züsedom würdigte Verkehrsleiter Tourbier auch die Leistungen von Lokführer Hermann Engel, der diese Strecke fast 30 Jahre (ununterbrochen von 1927 bis 1957) gefahren ist.

Für die Schließung der Strecke waren Rentabilitäts- und Sicherheitsgründe ausschlaggebend. Der Abbau begann offiziell schon am 1.Oktober 1963 und hielt noch im Jahre 1964 an.


Die 99 4612 half noch beim Abbau und wurde schließlich im Mai abgestellt. 1966 wurde sie ausgemustert Bis 1975 diente sie als Heizlok für einen Landwirtschaftsbetrieb in Steinmocker/Kreis Anklam. Dann wanderte sie in den Schrott.
Die Lok 99 4501 wurde im Mai 1966 ausgemustert und wenig später verschrottet.

 

 

Lokschuppen Pomerania e.V.

[zuletzt bearbeitet:  14.11.2005]